Ruhig ist nicht langweilig
Manchmal ist es einfach das Gegenteil von Drama.
Ruhig sein hat nicht gerade das beste Image. Es klingt schnell nach brav. Nach langsam. Nach „da passiert nicht viel“. Vielleicht sogar nach: „Die ist langweilig.“
Dabei kann Ruhe sehr herausfordernd sein. Weil sie nicht sofort ausweicht, nicht beschwichtigt, nicht mitrennt. Nicht jedes Drama größer macht, nur weil es laut daherkommt.
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Ich bin keine Drama-Queen
Ich zum Beispiel bin kein Mensch, der bei jeder Unruhe sofort hochfährt. Bis ich mich aufrege, muss schon einiges passieren. Das heißt nicht, dass ich nichts sehe. Im Gegenteil. Es heißt nur: Ich muss nicht alles sofort kommentieren. Ich muss nicht jede Spannung sofort auflösen. Und ich muss nicht in jedes Tempo einsteigen, das ein Thema mitbringt.
Das ist eine Eigenschaft, die mir im Coaching hilft. Hier ist sie durchaus von Vorteil. Menschen kommen nicht, weil sie zu wenig nachgedacht haben. Das haben sie längst getan und zwar ausgiebig. Sie haben abgewogen, geplant, verworfen, wieder neu sortiert. Sie haben Gespräche im Kopf geführt, Entscheidungen vertagt, Möglichkeiten durchgespielt und sich dabei selbst immer mehr unter Druck gesetzt. Da hilft nicht noch mehr Tempo.
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Nicht mitrennen
Wer innerlich im Kreis läuft, braucht niemand, der mitrennt, sondern ein Gegenüber, das stehen bleibt. Das klingt ersteinmal unspektakulär, ist eigentlich auch. Jedoch bedeutet es nicht: Wir machen es uns bequem. Es bedeutet auch nicht: alles ist gut. Tatsächlich ist es meistens so, dass Vieles gerade dann klarer wird, wenn es nicht sofort erklärt, kommentiert, beschwichtigt oder gelöst wird. Dann darf sichtbar werden, was wirklich los ist:
- Was gehört zu mir?
- Wozu ist es vielleicht auch gut?
- Was davon gehört zum System?
- Was ist Erwartung?
- Was ist Gewohnheit?
- Was ist Angst?
- Und vor allem: Was ist eigentlich längst entschieden, nur noch nicht ausgesprochen?
Drama will sofort eine Antwort. Ruhe fragt erst einmal: Was ist hier eigentlich los?
Drama macht eng. Ruhe schafft Abstand.
Drama sucht schnelle Sicherheit. Ruhe hält aus, dass Klarheit manchmal einen Moment braucht.
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Ruhe ist Arbeit
Das ist keine passive Haltung. Es ist Arbeit.
Denn ruhig zu bleiben heißt nicht, nichts zu tun. Es gilt auszuhalten, dass etwas noch ungeordnet ist. Es heißt, nicht vorschnell zu bewerten. Nicht zu reparieren, bevor überhaupt klar ist, was eigentlich kaputt sein soll. Und nicht so zu tun, als gäbe es für alles sofort eine passende Lösung.
Wir sind es gewohnt, zu funktionieren, weiterzumachen, uns zusammenzureißen, noch einen Plan zu schreiben, noch eine Liste.
Das kann sinnvoll sein. Aber es kann auch Teil des Problems sein.
Noch mehr Struktur führt nicht automatisch zu mehr Klarheit. Weil Kontrolle nicht dasselbe ist wie Orientierung. Und weil ein voller Kopf selten ein guter Ort für gute Entscheidungen ist.
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Erst stehen. Dann gehen.
Deshalb geht es bei mir oft erst einmal darum, überhaupt wieder bei sich anzukommen und seinen Standpunkt zu finden.
Dabei kann ziemlich ungewohnt und anstrengend sein, sich selbst ehrlich zuzuhören. Ohne Ablenkung. Ohne Ausrede. Ohne die nächste schnelle Erklärung.
Kein Wellnessprogramm, sondern oft der erste ernsthafte Arbeitsschritt.
Denn, erst wenn ich merke, wo ich stehe, kann ich entscheiden, wohin ich gehe. Erst wenn ich unterscheiden kann, was wirklich zu mir gehört und was ich nur übernommen habe, entsteht wieder Klarheit. Erst wenn der Druck nachlässt, wird sichtbar, welcher nächste Schritt wirklich stimmig ist und wie ich wieder ins Handeln komme.
Ruhig ist also nicht langweilig.
Langweilig ist eher, immer wieder dieselben inneren Schleifen zu drehen und sie für Nachdenken zu halten.
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Ruhe ist keine Deko
Sie ist kein freundlicher Rahmen um ein Coaching herum. Sie ist genau der Raum, in dem Klarheit überhaupt erst wieder möglich wird. Nicht laut. Nicht dramatisch. Nicht spektakulär. Aber wirksam.
Wenn du merkst, dass du innerlich im Kreis läufst und gerade mehr Druck als Klarheit spürst, kann ein Coaching ein guter nächster Schritt sein. Nicht, um sofort die große Lösung zu erzwingen. Sondern um stehen zu bleiben, zu sortieren und den eigenen Standpunkt wiederzufinden.
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