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Play the Ball Where the Monkey Drops It

Was ein klarer Standpunkt mit Affen und Golfbällen zu tun hat

Ein Golfer schlägt ab. Ein richtig guter Schlag. Der Ball fliegt geradewegs über das Fairway und landet genau dort, wo er landen soll. Dann kommt ein Affe. Er schnappt sich den Ball, trägt ihn über den Platz – und lässt ihn irgendwo wieder fallen.

So oder ähnlich soll es sich im Royal Calcutta Golf Club zugetragen haben. Der Club wurde bereits 1829 gegründet und gilt als ältester Golfclub außerhalb Großbritanniens. Die Affen auf dem Gelände interessierten sich allerdings wenig für die Regeln dieses royalen Sports. Umso mehr interessierten sie sich jedoch für die kleinen weißen Bälle, die sie für ihr eigenes Spiel nutzten. Die Golfer versuchten, sie zu vertreiben. Sie sollen Zäune errichtet, die Tiere weggelockt und einiges unternommen haben, um endlich wieder ungestört spielen zu können. Durchaus kreativ, allerdings ohne Erfolg.

Während sich die Menschen über die Störung ärgerten, hatten die Affen vermutlich den Spaß ihres Lebens.

Schließlich entschied sich der Golfclub für eine sehr pragmatische, kluge Lösung. Er etablierte eine neue Platzregel:

Play the ball where the monkey drops it.
Spiel den Ball dort weiter, wo der Affe ihn fallen lässt.

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Der Ball liegt nun einmal dort

Als ich diese Geschichte das erste Mal hörte, habe ich herzlich gelacht. Typisch, oder? Wir überlegen, planen und treffen Entscheidungen. Wir schlagen den Ball sorgfältig (und nach viel Übung) in eine bestimmte Richtung – und dann passiert etwas Unerwartetes … plötzlich liegt der Ball ganz woanders.

Wohl oder übel stellen wir fest: Nicht alles lässt sich trotz (größter) Anstrengung beeinflussen. In diesem Fall vermute ich einmal, dass der Versuch, die Affen vom Platz zu vertreiben, mehr Kraft kostet als das eigentliche Weiterspielen. Die Psychologie spricht von der Illusion der Kontrolle (Langer, 1975). Wir investieren oft enorm viel Energie in den Versuch, Rahmenbedingungen zu steuern, die schlicht außerhalb unseres Einflussbereichs liegen. Unter bestimmten Umständen kann dies eine (erfolgreiche) Technik sein, mit Stress und Unsicherheit umzugehen. In sehr vielen anderen Fällen wird – sobald wir aufhören, gegen die unsteuerbaren Faktoren anzukämpfen – Energie frei für das, was wir tatsächlich gestalten können: unsere Reaktion auf die neue Lage.

Die entscheidende Frage ist dann nicht mehr:
Wie bekomme ich meinen Ball zurück an die ursprünglich geplante Stelle?

Sondern:
Was mache ich mit der Lage, die jetzt da ist?

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Gut, wenn der Standpunkt klar ist

Dabei bedeutet ein klarer Standpunkt nicht, starr an einem einmal gefassten Plan festzuhalten. Ganz im Gegenteil: Wenn ich weiß, was mir wichtig ist und wohin ich grundsätzlich möchte, kann ich auf Veränderungen viel flexibler reagieren. Der Weg darf sich ändern, ohne dass gleich die ganze Richtung infrage steht.

Aus systemischer Sicht erfordert eine solche Flexibilität eine hohe Ambiguitätstoleranz – also die Fähigkeit, Unvorhersehbarkeit und Kontrollverlust auszuhalten, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Ein klarer Standpunkt ist dabei wie ein innerer Kompass. Er erlaubt es uns, agil zu bleiben und komplexe, ungeplante Entwicklungen als Handlungsspielraum zu begreifen.

Standpunkt heißt nicht, dass der Ball immer dort liegt, wo ich ihn haben will.
Standpunkt heißt, dass ich weiß, in welche Richtung ich ihn weiterspielen möchte.

Vielleicht braucht es einen Umweg. Vielleicht einen ganz anderen Schlag. Und manchmal eröffnet die neue Lage sogar eine Möglichkeit, die vom ursprünglichen Platz aus gar nicht sichtbar gewesen wäre.

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Erste Akzeptanz schafft Handlungsfähigkeit

Bevor wir den Ball weiterspielen können, braucht es allerdings noch einen Zwischenschritt: wir müssen die Situation akzeptieren. Die Psychologin Marsha Linehan nennt dies Radikale Akzeptanz nennt. Das bedeutet nicht, dass wir die neue Lage gutheißen müssen. Es bedeutet lediglich, aufzuhören, mit der Realität zu debattieren.
Wer weiter damit beschäftigt ist zu hadern („Der Ball müsste aber dort drüben liegen!“), kann den nächsten Schlag nicht präzise ausführen. Erst das volle Annehmen des Ist-Zustands macht wieder handlungsfähig.

Und wo liegt Dein Ball gerade?

Nicht jede unerwartete Wendung ist ein Rückschritt. Manches Gute entsteht gerade deshalb, weil etwas nicht nach Plan gelaufen ist. Vielleicht gibt es auch in Deinem Leben eine Situation, die Du nicht mehr zurückdrehen kannst.

Dann lohnt sich ein genauer Blick:

Was kannst Du tatsächlich noch beeinflussen?
Was musst Du fürs Erste annehmen?
Und was wäre von hier aus ein guter nächster Schritt?

Vielleicht ist es an der Zeit, weniger Energie darauf zu verwenden, die Affen zu kontrollieren.

Und stattdessen den Ball weiterzuspielen.

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