Einfach mal laufen lassen
Mach nicht alles zu (D)einem Projekt.
Sommerferien sind eigentlich eine Zeit zum Loslassen. Und trotzdem planen viele jetzt besonders gründlich: Anreise, Unterkunft, Ausflüge (must see), Restaurants, ... – schließlich soll die schönste Zeit des Jahres auch genauso werden wie gedacht. Wehe, wenn nicht.
Damit wir uns nicht missverstehen, planen ist schon ok. Und: Ich kann planen. Nach 30 Jahren Agenturerfahrung sogar ziemlich gut. Termine, Budgets, Abläufe, Zuständigkeiten – ohne Struktur wird aus einer guten Idee selten ein gutes Ergebnis.
Ich kann aber auch etwas anderes: Dinge laufen lassen.
Menschen und Zeit vertrauen. Ideen Raum geben. Entwicklungen beobachten, bevor ich eingreife.
Das passiert nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern, weil nicht alles besser wird, nur weil man ständig daran zieht.
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Ein Weg darf sich ändern. Gut, wenn der Standpunkt bleibt.
Einen Plan zu machen ist meistens gut und hilfreich. Er gibt Orientierung und macht den nächsten Schritt greifbar. Schwierig wird es, wenn dann die Wirklichkeit einen Strich durch die Rechnung macht.
Zum Beispiel soll der Urlaub genau so erholsam werden wie gedacht. Das neue Projekt ohne Umwege funktionieren. Die berufliche Veränderung möglichst geradlinig verlaufen.
Doch oft kommt es anders als man denkt. Ungeplantes kommt dazwischen. Menschen reagieren anders, das Wetter ist schlecht, auf Bildern sah alles schöner aus, ... Wir sind enttäuscht.
Jetzt lohnt ein genauer Blick. Warum genau bin ich enttäuscht? Denn ganz oft entsteht Enttäuschung nicht, weil etwas wirklich schlecht läuft. Sondern weil es anders läuft als geplant.
Genau dann hilft es, wenn wir einen eigenen und klaren Standpunkt haben. Denn, wenn ich weiß, was mir wichtig ist, worum es mir eigentlich geht und was ich nicht aus den Augen verlieren möchte, kann ich beweglich und handlungsfähig bleiben. Der Weg kann und darf sich ändern, ohne dass gleich alles infrage steht.
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Laufen lassen heisst nicht Wegsehen
Etwas laufen zu lassen bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben. Es bedeutet, nicht bei jeder Abweichung sofort gegenzusteuern.
Die entscheidende Frage könnte lauten: Muss ich gerade wirklich eingreifen – oder halte ich nur schwer aus, dass es anders läuft als gedacht?
Manches braucht eine klare Entscheidung. Manches eine Kurskorrektur. Und manches einfach etwas Zeit.
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Vier Tipps um loszulassen
1. Kläre Deinen Standpunkt
Bevor du den nächsten Plan machst, frage dich:
- Worum geht es mir wirklich?
- Was ist mir dabei wichtig?
- Was soll unabhängig vom Weg erhalten bleiben?
Je klarer dein Standpunkt, desto weniger musst du jeden einzelnen Schritt kontrollieren.
2. Plane nur den nächsten sinnvollen Schritt
Nicht die ganze Strecke.
- Ein Gespräch führen.
- Eine Idee testen.
- Eine Entscheidung noch ein paar Tage liegen lassen.
- Einen Urlaubstag bewusst freihalten.
Danach weißt du mehr.
3. Bleib neugierig – auch auf Umwegen
Wenn etwas anders läuft, ist das nicht automatisch ein Rückschritt.
- Vielleicht braucht es einen Zwischenschritt.
- Vielleicht verändert sich die Idee beim Ausprobieren.
- Vielleicht passt der ursprüngliche Plan einfach nicht mehr.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht: Warum funktioniert mein Plan nicht? Sondern: Was zeigt sich mir gerade?
4. Prüfe vor dem Eingreifen
- Gibt es wirklich ein Problem?
- Ist etwas Wesentliches gefährdet?
- Oder entspricht die Entwicklung nur nicht meiner Vorstellung?
- Was passiert, wenn ich noch etwas beobachte?
Nicht jede Abweichung muss korrigiert werden.
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Last but not least noch eine gute Sommerübung
Den Tag nicht vollständig verplanen.
Einen Umweg nicht sofort als Zeitverlust sehen.
Und nicht enttäuscht sein, wenn der Urlaub anders wird als das Bild im Kopf.
Gleiches gilt übrigens auch für größere "Projekte". Nicht alles muss sofort entschieden, verbessert oder beschleunigt werden. Meist reicht es, den eigenen Standpunkt zu kennen, die Richtung im Blick zu behalten und aufmerksam zu bleiben. Der Rest darf sich entwickeln.
Einfach mal laufen lassen heißt nicht, die Kontrolle zu verlieren. Es heißt, auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn der Weg ein anderer wird.
Wenn du dafür deinen Standpunkt klären möchtest, begleite ich dich gern.